Timmdorf benötigt wieder einen Bahnanschluss

Unterschriften können noch bei Käte Birkenfeldt abgegeben werden.

Artikel im Ostholsteiner Alexander Steenbeck – Quelle: https://www.shz.de/29202762 ©2020
Timmdorf | Bis 1989 hatte Timmdorf einen Bahnhof, konnten hier Zugreisende aus- und einsteigen. Geht es nach Käthe Birkenfeldt soll es wieder so sein – die Timmdorferin engagiert sich für eine Reaktivierung des vor 30 Jahren stillgelegten Haltepunktes. Und macht jetzt Nägel mit Köpfen: Unterstützung hat Birkenfeldt von Dorfvorsteher Jobst Richter erhalten. Gemeinsam wollen beide nun bei Lokal- und Landespolitik für die Idee werben. „Da gerade Bundesmittel für den Regionalverkehr zur Verfügung gestellt werden, scheint es mir sinnvoll, jetzt einen entsprechenden Antrag zu stellen“, sagte Birkenfeldt.

„Platz ist genug da“

Seit 1. Oktober 1894 hatte Timmdorf eine eigene Haltestelle, später sogar einen eigenen Bahnhof. Doch große Gebäudepläne schmieden Birkenfeldt und Richter gar nicht: Ein Bahnsteig mit einer Bedarfshaltestelle favorisieren die beiden Timmdorfer. „Platz ist genug da und sogar ein öffentlicher Zugang“, sagt Richter.

Bis zum Rückbau vor ein paar Jahren gab es hier zwei Gleise. „Den Verlauf des einen lässt sich noch erahnen“, sagt Birkenfeldt. Zwischen altem Bahnhofsgebäude und der eingleisigen Trasse wäre somit genügend Fläche, um dort einen Bahnsteig zu bauen, meinen die beiden.

Bei einer Reaktivierung eines alten Bahnhofs wird nach Angaben des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein (Nah.SH) zunächst grob geschaut, welches Potenzial zu erwarten wäre, welche Kosten in etwa anfielen und vor allem, ob der Halt in den Fahrplan passt. „In den meisten Fällen ist das ein KO-Kriterium“, sagte Dennis Fiedel, Pressesprecher von Nah.SH, auf OHA-Nachfrage. Wenn die erste Einschätzung jedoch positiv ist, könne man mit der Vorplanung beginnen. Die Kosten für eine Reaktivierung sind je nach Lage und Ausstattung sehr unterschiedlich. „Im Schnitt liegt ein Bahnsteig bei rund 500.000 Euro“, sagt Fiedel.

250 Timmdorfer unterstützen die Idee

Um der Idee Nachdruck zu verleihen, hat Birkenfeldt Unterschriften unter den 500 Einwohnern – 350 wohnen dauerhaft hier, der Rest sind Zweitwohnungsbesitzer – gesammelt. Rund 250 unterstützen die Haltepunkt-Idee.

Insbesondere die Timmdorfer Schulkinder haben Birkenfeldt und Richter im Blick, denn die sollen es leichter haben, nach Eutin oder Plön zum Unterricht zu kommen. Zwar fahren zehnmal am Tag Busse, doch sind deren Fahrzeiten meist so unglücklich getaktet, dass die Kinder entweder den Bus gerade verpassen oder noch längere Zeit auf den nächsten Warten müssen, so Birkenfeldt. Das habe dazu geführt, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren oder sie dort abholen. „Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, dass Timmdorfer, die in Kiel oder Lübeck sowie auch den an der Strecke gelegenen Orten beschäftigt sind, gern vom Auto auf den Zug umsteigen würden“, sagt Birkenfeldt. „Der Zug braucht nach Eutin rund 14 Minuten“, ergänzt Richter, „mit dem Bus ist man gut eine Stunde unterwegs.“

Gemeinde findet Idee gut, ist aber skeptisch

Die Haltepunkt-Idee selbst sei nicht schlecht, konstatierte Birgit Boller von der Malenter Stabsstelle Gemeindeentwicklung, „aber sie ist ein Eingriff ins Netz der Nah.SH“. Zurzeit sieht Boller keine Chance, dass der Plan zeitnah umgesetzt werden könne. Aber: Das Ganze könnte in die Planungen zur Reaktivierung der Strecke Malente-Lütjenburg eingebunden werden, so Boller. Insgesamt sei es aber „ein sehr weiter Weg bis zur Realisierung“, schätzte Boller.

Weitere Infos über die Bahnstrecke und den Bahnhof Timmdorf finden sie unter: https://www.bahninfo-forum.de/read.php?27,265688,266026

Ein Gedanke zu „Timmdorf benötigt wieder einen Bahnanschluss

  1. Wenn wir Timmdorfer uns alle eine Jahreskarte für Timmdorf -Malente oder Plön kaufen würden, ganz gleich, ob wir sie dann nutzen oder nicht, wäre das ein Signal der Ernsthaftigkeit dieses Wunsches unserer Dorfschaft. Mir wäre das den Einsatz wert.

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