Flüchtlinge in Timmdorf

Kiel als wichtiger Standort der Werftindustrie und Stützpunkt der Kriegsmarine wurde schon im Juli 1940 zum ersten Mal von britischen Flugzeugen angegriffen. Es folgten unzählige Angriffe – nur 20% der Häuser konnten am Kriegsende als nicht beschädigt bezeichnet werden.

Schon früh wurden Luftschutzbunker gebaut, Kinder in Schullandheime z.B. auf Rügen oder im Süden Deutschlands geschickt und ca.150.ooo Erwachsene in ländliche Gebiete evakuiert.

So fanden zahlreiche dieser Menschen auch in Timmdorf; Unterkunft; sie wohnten bei einheimischen Familien oder bauten kleine Ferienhäuser am damals entstehenden Inselweg und vereinzelt auch schon auf der Seekoppel.

Im Winter 1945 kamen dann die ersten Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, vor allem aus Ostpreußen, Pommern, aus dem Posener Gebiet, später auch aus Mecklenburg.

Den längsten und weitesten Weg hatten drei Familien aus „Bessarabien“, heute Moldawien,

hinter sich: von ihren Jahrhunderte alten Höfen in der Nähe des Schwarzen Meeres waren

sie 1940 auf Befehl der NS-Führung in gemeinsamen hunderte Kilometer langen Trecks in das gerade eroberte „Generalgouvernement im Osten Polens gezogen und hatten dort Höfe der vertriebenen oder zur Zwangsarbeit verurteilten Polen übernommen.

1944/45 mussten sie dort wieder fliehen, diesmal bis Timmdorf.

Einige kamen mit gut ausgestatteten Treckwagen, wie z.B. die Familie Krosigk aus Mecklenburg, die in das Bootshaus von Besthorn einquartiert wurde, oder auch mit wenig oder ohne jegliches Gepäck und Wertsachen, die schon den weiten Weg von Pommern oder gar Ostpreußen in überfüllten Zügen, mit dem Schiff oder gar zu Fuß hinter sich hatten.

Nicht für alle fand sich gleich eine Unterkunft. Deshalb wurde der Klassenraum der Schule durch an Drähten gehängte Laken in einzelne „Räume“ geteilt, in denen jeweils eine Familie unterkam.

Alle Häuser bzw. Wohnungen wurden vermessen und danach entschieden, wie viele Flüchtlinge jeweils aufgenommen werden konnten. Wie auch bei der heutigen Aufnahme von Flüchtlingen versuchte mancher, mit fadenscheinigen Gründen das Bereitstellen seiner Wohnungen zu verhindern.         

Dagegen fanden die Kinder der Flüchtlinge schnell Kontakt und wurden in Vorhaben der hiesigen Kinder einbezogen.

Durch diesen Zuzug der „Ausgebombten“ und Flüchtlinge hatte sich die Bevölkerung unseres Dorfes von 225 (1939) auf 727 (1946) erhöht.

Text von Käthe Birkenfeldt

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