1945 Besatzung Timmdorf

Mai 1945  –  Erst britische, dann polnische Besatzung in Timmdorf                      

Während der ersten Tage der Besatzung beschlagnahmte die britische Armee den Hof Trollholm und die in Timmdorf am Behlersee gelegenen Villen für ihre Soldaten. Die deutschen Eigentümer und die z.T. bei ihnen einquartierten Flüchtlinge aus Kiel, Hamburg

und den Ostgebieten wurden ausgewiesen und mussten sich eine andere Bleibe suchen.

Für die Timmdorfer Kinder , die die damit einhergehenden Sorgen nur wenig mitbekamen, begann eine aufregende Zeit. Die Größeren versuchten, sich den Soldaten mit dem wenigen bisher in der Schule gelernten Englisch verständlich zu machen. Vor allem aber begann der große Tauschhandel: Zigaretten gegen zu Hause entwendete Wertsachen wie z.B. Uhren, wertvolle Bücher u.a. Der im Dorf wohnende Dr. Zapp diagnostizierte bald bei einigen Jungen schwere Nikotinvergiftungen; als er Theo Birkenfeldt untersuchen sollte, meinte er, das könne er sich sparen, da er gerade bei Jochen Besthorn diese Diagnose gestellt habe!

In dieser Zeit brannte das besetzte Trollholm vollständig ab.

Ausgerechnet in Timmdorf fand dann aber eine besondere Form der Besatzung statt: nach wenigen Wochen verließen die Engländer das Dorf  und eine Offiziersgruppe der Polnischen Exilarmee übernahm die Häuser. Ca. 250.000 Polnische Offiziere, Zivilisten, später auch geflohene Kriegsgefangene, die zu Beginn und während des Krieges des Krieges vor der deutschen Armee fliehen konnte und in England eigene Armeeeinheiten der Marine und der Luftfahrt bildeten, nahmen 1944/5 aktiv am Einmarsch nach Deutschland teil und erhielten von Großbritannischen eine eigene Besatzungszone nahe der holländischen Grenze zugewiesen. Unterlagen dazu, warum dann ein Teil von ihnen ausgerechnet in Timmdorf eingewiesen wurde, sind nicht auffindbar.

Während die Engländer z.T. Kleinnmöbel, Bettwäsche und Haushaltsgegenstände zwischen den Häusern hin und her getauscht hatten, suchten die Polen schon bald Gespräche mit den in Garten- oder Bootshäusern gelandeten  Hauseigentümern, um mit deren Hilfe die Dinge wieder an ihren Platz zu bringen. Mir ist ein Fall vor Augen, bei dem am Abend die Bettdecken „zum Abholen“ auf die Terrasse gelegt worden waren. Zugleich entstanden Kontakte mit einigen Familien im Dorf, die auch nach Kriegsende bestehen blieben; die meisten dieser Polen kehrten nicht in ihr Land zurück, da sie dort der Verfolgung durch die Sowjetarmee ausgesetzt worden wären. Viele wanderten nach Kanada, Australien oder in die USA aus. Die Kontakte zu Timmdorfern bestanden viele Jahre weiter.

Text: Käthe Birkenfeldt

4 thoughts on “1945 Besatzung Timmdorf”

  1. Toll Käthe,
    das ist hoch interessant. Und vor allem deine eingebauten eigenen Erinnerungen sind klasse.
    Gerne mehr davon!
    Liebe Grüße Birgit

  2. Liebe Käthe,
    diese Betrachtung ist ganz große Klasse! Bitte mehr davon. Ist denn auch nur ein Pole / eine Familie in Timmdorf geblieben und hat heute Nachfahren vor Ort?
    Herzlicher Gruß
    Uwe Hahlbrock, geboren in 1948 in Eutin

    1. Lieber Uwe, nein, es ist niemand von den Polen hier geblieben. Ich denke, es waren wohl alles Offiziere hier, die der poln. Oberschicht angehörten und auf keinen Fall wieder in den kommunistischen Herrschaftsbereich kommen wollten. Mein Vater hat sich mit zweien noch lange geschrieben – einem nach Kanada, einem nach Australien. Und das wird der Weg der meisten gewesen sein. Ich habe mal versucht, in Haren, dem poln. Hauptquartier in Deutschland, auskunft zu erlangen – ohhne Erfolg. Da müsste man wohl selbst hinfahren …..

      Dir herzliche Grüße, Käthe
      Heute morgen lag über nur einigen jeweils großen Seeteilen Nebel – und als er sich auflöste, war an den Stellen neues Eis! Sah schön aus.
      Haubentaucher habe ich noch nicht gesehen, obgleich ich jeden Tag nachsehe….

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